EIN...


die farbe zur rechten zeit, im richtigen augenblick an die stelle hinzuschmieren, wo sie hingehört, das ist die ganze kunst.


wenn nun gelb gerade keine lust hat, muss man das akzeptieren, rot will auch nicht, dann nimmt man blau. alle drei verweigern sich ? aber man selbst will und die spachtel oder pinsel sind auch nicht abgeneigt, muss man ein machtwort sprechen. einer muss der chef sein. das ist kein gesetz, sondern eine tatsache.

wenn in einem atelier die tube zinnoberrot den künstler nehmen würde und ein bild malen wollte, z.b. mohnblumen, könnte die tube das höchstens tun, wenn der künstler gerade nasenbluten hat. oder den weiten himmel malen, muss der künstler blau sein, der ist aber anti-alkoholiker. das projekt scheitert sofort.


ein künstler ist immer ein chef. so ist das in allen berufen. der bäcker bestimmt ebenfalls, ob da hefe in den teig kommt, oder nicht. dass die sich nicht immer vertragen, ist menschlich. und der bäcker ist dazu da, dass es eben solche mimositäten nicht vorkommen.

dazu muss er aber hefe, als auch teig in-und auswendig kennen, macht er auch, sonst könnte er kein brot backen.

der künstler macht nichts anderes, er kennt die drei farben bestens und wenn die sich mal nicht grün sind, kann er sie beschwichtigen. wenn das nichts hilft, muss er sie halt zusammenstauchen.


peng! jetzt wird kunst draus.das ist, wie schon gesagt, eine tatsache und kein gesetz aber "DIE!" voraussetzung! was dann passiert, unterscheidet aber den bäcker vom künstler. der künstler ist im vollrausch, im delirium, wie nach zwei flaschen whiskey und drei joints, aber ohne anschliessenden kater. nüchternern im vollrausch!

ein bäcker ist bei seiner arbeit gezwungenermassen nur nüchtern, das brot möchten wir sehen, nach oben genanntem drogengenuss.


oder er würde seine abgelatschten schuhe in der auslage seines geschäfts haben und einem kunden diese als frühstücksbrötchen anbieten und dafür noch 5000 euro verlangen. ein künstler kann das. er pinkelt in ein klo, schreibt anschliessend seinen namen drauf (signatur) und fertig ist die kunst.


das ist selbst für uns einigermassen problematisch aber da es in der kunst keine gesetze gibt, akzeptieren wir das. wir sind etwas altbacken und benutzen noch farben, leinwand und pinsel. und wir haben noch die vorstellung, das kunst etwas mit dem leben zu tun hat und das ist bekanntlich das schwerste, was wir kennen.


um es etwas leichter zu machen, gibt es die kunst. in demut sehen wir darin unsere aufgabe, aber im besoffenen zustand, von rot, blau und gelb. oder von chinatusche und tempera.


über das klo freuen wir uns auch, brauchen wir es mehrmals täglich. gäbe es keins, können wir ins waschbecken pinkeln. da wäscht man sich aber die hände. ein gesetz der hygiene, beides gibt es in der kunst nicht.

die kunst kennt keine gesetze, wohl aber autorität, hat man ja schon beim chef sehen können. es handelt sich aber um eine "umgekehrte" autorität. die autorität des vorhandenen!

ein bleistiftstrich auf dem papier ist vorhanden, das ist seine persönliche autorität, die muss akzeptiert werden,


ein radiergummi ist hier fehl am platze. den muss man vergleichen mit einem diktator.

rot, blau, gelb sind autoritäten, sie sind vorhanden, der künstler ist zwar auch vorhanden aber keine autorität, sondern nur chef.